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Ein gutes Fahrrad hatte lautlos durch Berg und Tal zu gleiten. Bremer schaltete einen Gang tiefer, stellte das Treten ein und schwebte die langgestreckte Abfahrt hinunter, den sich gemächlich verdichtenden Nebelschleiern entgegen, die aus der Talsenke aufstiegen und sich vor den Sonnenuntergang zu schieben begannen. Noch leuchtete der Horizont in dramatischem Rot und der Wind tätschelte sein brennendes Gesicht, als ob er ihn über den Abschied vom Sommer hinwegtrösten wollte.
Dann war er unten und rauschte, vom eigenen Tempo getragen, gleich wieder hoch, durch das Wäldchen, am Weiherhof vorbei, wo er wieder in die Pedale trat. Die untergehende Sonne ließ Wiesen und Wälder rosig leuchten und die Luft brummte vor lauten Zeichen der Lebenslust – Tschirpen, Jubeln und Schmettern. Als ob alle noch einmal tief Luft holten, bevor es bergab ging mit dem Jahr, vor den ersten bunten Blättern. Den ersten Herbststürmen. Dem ersten Frost.
Aus: Anne Chaplet, Nichts als die Wahrheit
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