Schneefieber
Mit kleinen spitzen Pfeilen warf der Schnee das Sonnenlicht zurück. Der Alte stand in der geöffneten Haustür und kniff die Augen zusammen. Die Kristalle glitzerten boshaft blau, die kalte Luft krallte sich schmerzhaft in seine Nase und zunächst konnte er kaum etwas erkennen, weil seine Augen tränten.
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Heringssalat.
Hauptkommissar Gregor Kosinski ließ sich in den Beifahrersitz des Streifenwagens fallen und hoffte auf einen kurzen Einsatz. Die Zentrale hatte einen Familienstreit gemeldet, in Kirschgarten, sechzehn Kilometer von hier. Typisch für Heiligabend, aber selten so schlimm wie es sich anhörte.
Schneeflocken tanzten vor der Windschutzscheibe und drifteten vorbei.
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Die Hüter der Ordnung
„Ist ja hier wie in der Kaserne“, brummte der alte Pajak, lehnte die Krücke an das Tor, fummelte in der Tasche der ausgebeulten Kordhose nach dem Schlüssel und schüttelte den Kopf über die Leute von Parzelle 92. Nagelneuer, scharf glänzender Natostacheldraht oben auf dem Zaun. Bei denen piept’s wohl. Was gab’s denn da schon zu klauen außer einer zersägten Tanne, einem dreibeinigen Gartenstuhl und dem leeren Hundezwinger?
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Romeo kam nur bis Bad Boltenhagen
Katia war gegen neun Uhr aus Lübeck losgefahren. Hinter Lüdersdorf fing es an zu schneien, sanft, verträumt, sodaß sie nicht weiter darauf achtete. Sie achtete auch nicht auf den Weg, folgte der Beschilderung wie ein braves Mädchen. Berlin. Früher hieß das mal "Hauptstadt der DDR".
Daß sie auf der neuen Autobahn fuhr, fiel ihr erst auf, als sie die Hörbuch-CD wechselte. Der Übergang von hier zu dort, von Gegenwart zu Vergangenheit, war getilgt – ganz wie der Todesstreifen an der Zonengrenze, wo noch vor zwanzig Jahren die Welt endete.
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Eisenmann
Ein paar einsame Schneeflocken tanzten durch das gebündelte Licht, das auf Bulle und Bär gerichtet war, als ob die Menschen, die bei Schinken-Becker anstanden oder am Weinausschank ihren Schoppen tranken, daran erinnert werden müßten, daß bald Weihnachten war. Karen Stark legte die Hände um den Becher mit Glühwein und wünschte sich eine weihnachtsfreie Zone, wenigstens auf dem freitäglichen Wochenmarkt vor der alten Frankfurter Börse.
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Margaret's Hope
Leonore lehnte sich in die weichen Polster des Caféhaussessels und räkelte sich. Die Sonne schien, am Himmel nur freundliche Schäfchenwolken, und die Bedienung hatte sie angelächelt, als sie ihr die Karte brachte, die nun schon seit einer ganzen Weile aufgeschlagen vor ihr lag, während sie tagträumte.
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Polonium 121
Er würde sie wiedersehen. Bald.
Kjev trank den abgekühlten Rest seines Caffe latte aus und winkte Nadine zu, die hinter der Theke mit offenen Augen zu träumen schien. Endlich lächelte sie zurück und drehte sich um zur Espressomaschine. Sie war heute nicht gesprächig, ebensowenig wie er. Als das dampfende Glas vor ihm stand, sah er wieder zum Fenster hinaus.
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Tote Orchideen
Wer will es schon beim Arbeiten gemütlich haben? Nicht Susanne Heger. Arbeit ist Arbeit und gemütlich mach ich es mir woanders, war ihre Devise. Die meisten Menschen verstanden das – nur nicht Ulrike Sievers.
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Liebe und Tod in Hattingen
Der Geruch nach Eisen, wilder Kamille und Katzenpisse umarmte Marek wie ein feuchtes Handtuch. Das rostige Gitter ächzte unter seinen Schritten. Ein kühler Luftzug kroch von unten herauf und schob ihm die eisigen Finger unter das schweißnasse Hemd.
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Der gute Nachbar Ein kulinarischer Krimi
Theo konnte einfach keine Kreatur leiden sehen. Auch nicht Sigrun, die hatte er schon beschützt, als sie noch gemeinsam in die Grundschule gingen. Aber seine alte Freundin schüttelte den Kopf und wollte gar nicht mehr damit aufhören. Theo sah sie bekümmert an, während er den Ring Fleischwurst in Wachspapier wickelte und auf die Waage legte.
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